Zusammenhalt statt Spaltung

“Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte”

Dieser Spruch ist so passend. Der öffentliche Diskurs ist ja derzeit inexistent, die Grautöne sind nur noch im Wetter zu finden, in der Diskussion gibt es nur noch schwarz und weiß. Und nun kommt Weihnachten und die Online-Portale bringen sogar schon Artikel zum Thema: „Was tun, wenn die Tante Verschwörungstheoretikerin ist?“ Ganz ehrlich, wann waren wir denn mit den Meinungen unserer Verwandtschaft jemals wirklich einverstanden? Und trotzdem kamen wir irgendwie zusammen.

Doch heutzutage können wir andere Meinungen nicht mehr aushalten und bekleben die Mitmenschen schnell mit einem Etikett, dann müssen wir uns auch gar nicht fragen, wie sie zu bestimmten Ansichten kommen. Die sind einfach deppert. Die einen sind ja nur gehirngewaschen, die anderen einfach asoziale Idioten, so simpel ist die Welt. Wenn man jemanden abgestempelt hat, muss man sich schließlich nicht hinterfragen oder gar damit auseinandersetzen, was er zu sagen hat. Man selbst ist klarerweise immer der/die Gute. Das Ego freut sich und macht es sich in seiner Festung gemütlich. So einfach wäre das also im schwarz-weiß karierten Denkmuster.

Die anderen sind´s!

Und schnell ist auch der Schuldige gefunden: würden sich alle an die Maßnahmen halten, dann wäre der Spuk schnell vorbei. Oder die konträre Variante: würden sich alle dagegen auflehnen, dann wäre der Spuk schnell vorbei. Es sind also immer die anderen Mitmenschen Schuld am Spuk und daran, wie es uns gerade geht. Wären die anderen bloß anders. Das verursacht ein Gefühl des AUSGELIEFERTSEINS, denn man kann schließlich schlecht die anderen ändern. Und dieses Gefühl haben jetzt viele.

Es geht doch um unsere Gesundheit, sagen wiederum… beide. Die einen haben Angst vor den unberechenbaren Folgen einer Erkrankung, die anderen haben Angst vor unberechenbaren Folgen eines im Eiltempo zugelassenen Impfstoffs. Die einen haben Sorge, dem Virus nicht zu entkommen, die anderen sorgen sich darüber, einer Impfpflicht nicht zu entkommen. Beide haben Angst vor möglichen Spätfolgen. Das verursacht ein Gefühl der ANGST und der HILFLOSIGKEIT. Und dieses Gefühl haben jetzt viele. Die Angst macht uns starr – im Kopf und im Herzen.

Den FRUST und die MÜDIGKEIT vom ewigen Hin- und Her wegschieben zu wollen, das unangenehme Gefühl wem anderen umhängen zu wollen, ist letztendlich nur ein Versuch, dass es uns etwas besser geht, und das versuchen jetzt viele. Dabei vergessen wir schnell: für unsere Gefühle tragen wir die Verantwortung. Nur wir. Ja, das ist blöd und das zwickt, aber es ist so. Oder anders ausgedrückt: wer die Schuld hat, hat die Macht. Nein, wir brauchen jetzt wirklich keine neuen Schuldgefühle, dafür sind wir in unseren Breiten immer noch irgendwie katholisch genug, dass sich immer noch irgendwelche alten finden lassen.

 

Wenn es schon physisch nicht geht, so sollten wir uns zumindest energetisch und emotional die Hände reichen.

Was kann ich selber tun? Was sollte ich endlich angehen?

Aber wir sollten uns vielleicht auf ein paar Dinge besinnen, die wir selbst ändern können. Auf unsere Hausaufgaben. Die letzten Monate haben sie uns ja eindringlich gezeigt, die eigenen Themen. Wie gehen wir mit uns selbst um, mit unseren Wünschen, mit unserem Körper? Was sind unsere Ängste und woher kommen die eigentlich? Was kann ich persönlich tun, um mich sicherer zu fühlen? Welche inneren Themen sollte ich endlich angehen? Was kann ich tun, das mir gut tut? Auch was unsere körperliche und emotionale Gesundheit betrifft. Denn um diese müssen wir uns im Endeffekt selbst kümmern und Verantwortung dafür übernehmen. Dafür haftet niemand von außen.

Die Beantwortung der eben genannten Fragen bringt nicht nur viele Erkenntnisse und manchmal daraus resultierende Auto-Arschtritte, sie bringt unsere Energie auch zu uns zurück. Wir verschleudern sie dann nicht in gedachten / getippten / gesagten Attacken auf die jeweils anderen, sondern nützen sie für uns selbst.

Farbenvielfalt statt Schwarz-Weiß

Wir haben es in der Hand, wie es uns geht, und wenn wir schon bei Händen sind:

Auch wenn es physisch nicht geht, dann sollten wir zumindest emotional eines tun: uns wieder die Hände reichen. Denn wir haben mehr gemeinsam als es auf der Oberfläche gerade scheinen mag. Wir müssen nicht einer Meinung sein, um uns zu respektieren und uns auf der Herzebene zu begegnen. Es ist für alle anstrengend und wir brauchen einander. Und vielleicht gibt es nicht nur schwarz und weiß und ein paar Grautöne, sondern viele, viele Farben. Vielleicht, ja vielleicht, werden kleine oder größere Weihnachtswunder möglich.

Die wünsche ich Euch.