Die Kunst der Abgrenzung oder “stay where you are”

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Eine häufige Frage: Wie kann ich mich am besten abgrenzen? Die eine Möglichkeit wäre natürlich, es so wie der Herr auf dem Foto zu machen und sich in einer Höhle verstecken, da geht uns bestimmt niemand anderer auf die Nerven. Falls das nicht machbar ist, hier einige nützliche Tipps!

Nicht abgrenzen, sondern bei sich bleiben

Im Grunde mag ich das Wort „Abgrenzung“ nicht. Es impliziert, dass der andere irgendwie gefährlich ist und lenkt die Aufmerksamkeit zum Gegenüber. Wir wollen uns vor XY schützen und prompt denken wir an XY. Die Energie folgt ja bekanntlich der Aufmerksamkeit. Es geht also im Grunde gar nicht um Abgrenzung, sondern um ein bei sich bleiben.
Die Stolpersteine, die uns bei der Aktion „bei mir bleiben“ begegnen, haben so einiges mit unserer Vergangenheit zu tun. Wäre es das Allerschönste der Welt gewesen, bei sich zu sein, hätten wir es uns ja schon von klein auf angewöhnt und in unser Handlungsrepertoire aufgenommen.

 

Alte Kindheitsmuster als Stolpersteine

Doch in vielen Fällen haben wir schon als Kind gelernt, ständig im Außen zu sein. Das können zum Beispiel folgende Muster sein, die wir schon als Kind angewandt haben: Lieber auf das zu hören, was die Anderen (Großen) sagen denn ansonsten gibt es Probleme. Auf der Hut zu sein, dass der Vater / die Mutter / „beliebige Bezugsperson“ /… nicht auszuckt. Immer aufzupassen, dass ja nichts passiert. Lieber auf die Bedürfnisse der anderen hören, als auf seine eigenen. Vor lauter Überforderung lieber gar nichts mehr spüren, damit man negative Gefühle von sich weghalten kann. Was auch immer es im Einzelfall gewesen ist: wir haben mitunter verlernt, dass es OK ist bei sich zu sein, dass es schön sei kann. Dass wir sicher sind (im Grunde am sichersten!), wenn wir ganz bei uns sind.

 

Bei sich bleiben ist eine Form der Selbstliebe

Manchmal läuft so ein Muster munter weiter, obwohl es heute vielleicht gar nicht mehr so notwendig ist. Denn die negativen Gefühle der anderen triggern vielleicht auch negative Gefühle in uns. Zur Lösung sollten wir also nicht die anderen ändern, sondern herausfinden, was wir brauchen, um nicht mehr so stark zu reagieren. Denn das „Sich-auf-sich-selbst-Konzentrieren“ fühlt sich nicht immer gut an, vor allem wenn ein altes Kindheitsmuster dazwischenfunkt. Wenn wir als Kind nur Liebe erfahren haben, wenn wir uns um andere gekümmert haben / unsere Gefühle verleugnet haben / uns verbogen haben, dann ist es zunächst etwas seltsam, sich auf sich selbst einzulassen. Das „innere Kind“ braucht die Bestätigung, dass es vollkommen OK ist, sich selbst zu spüren und da zu sein. Im Grunde geht es also sehr, sehr viel um das Thema Selbstliebe und Selbstwert: sich selbst wichtig nehmen und sich selbst Aufmerksamkeit schenken.

 

Weg vom Größenwahn 😉

Nur weil wir etwas spüren, heißt das nicht, dass wir aufgefordert sind zu handeln. Zwischen Mit-Gefühl und Mit-Leiden ist es nur ein schmaler Grat und gerade sensible Menschen sind oft sehr feinfühlig auf negative Stimmungen bei anderen. Oft macht sich dann ein wilder, energetischer Aktionismus breit, die Stimmung des anderen zu heben, damit man sich endlich selbst besser fühlen kann. Doch das bringt vor allem zwei Dinge: Überforderung und Missmut. Nicht jeder will wirklich gerettet werden. So wie es Bert Hellinger schon sagte: Leiden ist oft einfacher als Lösen. Wenn sich jemand mit seinem Leiden arrangiert hat, dann wollen wir nicht stören. Und so sehr wir vielleicht auch wollen: Wir können niemanden retten, wenn derjenige nicht selbst etwas für seine Rettung unternehmen möchte. Es wird dann einfach uns zu viel und bei all der Energie, die man investiert ein grottenschlechter Deal.

Neugier auf OFF

Das ist oft das schwierigste, vor allem für neugierige Menschen. Aber wir sollten es aus Respekt praktizieren, nicht zu neugierig zu sein. Aus Respekt vor uns und aus Respekt vor dem Gegenüber. Jeder hat seinen Rucksack zu tragen und nicht immer geht es uns etwas an, was jemand anderer denkt oder spürt.

 

Vorsicht Helfer-Syndrom

Vielleicht ist es nämlich anmaßend und übergriffig, jemanden abzuscannen und auch gleich Lösungstipps parat zu haben, wie der sein Leben leben sollte. Ja, wir wollen nur helfen. Aber will der andere das wirklich auch? Oder passt uns seine Art zu leben im Grunde nicht, weil es UNS besser ginge, wenn der endlich anders wäre? Wir haben einen freien Willen und jeder trägt seinen Rucksack auf seine persönliche Art und Weise. Es liegt vielleicht gar nicht an uns, das zu beurteilen und zu bewerten (und zurück zum Punkt mit dem Größenwahn 😉 ).
„Ich bin für mein Glück und mein Leben verantwortlich, du für deines. Ich bin ich, du bist du“

 

Übung macht den Meister

Ja ich weiß, Üben klingt nach Klavierunterricht und Mathematik-Hausübung. Aber wir Menschen sind nun einmal Gewohnheitstiere und ein wenig energetische Hygiene will auch gelernt sein. Es ist tatsächlich so wie beim Zähneputzen: nicht besonders spannend, aber sehr wertvoll und wenn man es mal nicht macht, fühlt man sich nicht wohl, also vergisst man auch nicht darauf, sobald man es mal gelernt hat. Denn es fühlt sich gut an!

Zentrierungsübungen, ein Spaziergang im Wald, eine Meditation, eine entspannte Yoga-Einzelstunde: Im Grunde geht es darum sich wieder ganz zu spüren, raus aus den Gedankenkreisen ins Körpergefühl zu kommen. Gerade am Anfang sollte man sich also zumindest einmal am Tag eine Art Auszeit für sich selbst nehmen.

 

Eine kleine Zentrierungsübung

1) Einfach gemütlich hinsetzen, sodass die Fußsohlen den Boden berühren (oder auch Hinstellen!) und Stück für Stück auf den Körper konzentrieren. Wie fühlt sich der Brustkorb beim Atmen an, wie liegen die Fußsohlen auf dem Boden auf, wie fühlen sich die Hände an?

2) Dann auf das Aus- und Einatmen konzentrieren. Zuerst auf das Ausatmen. Bei jedem Ausatmen schickst du all das weg, was nicht deines ist, in gutem Glauben daran, dass es dorthin geht, wo es hingehört. All das was sich irgendwo an dich geheftet hat, was dir jemand gesagt hat, den Stress der Mitreisenden aus der U-Bahn – du musst nicht unbedingt die Dinge benennen können, es reicht, dass du dich darauf ausrichtest, dass all das gehen kann, was nicht zu dir gehört.  Man kann das auch mit visuellen Bildern unterstützen, als würdest du wie mit einem Wasser-/Laser-/Licht-Strahl oder ähnlichem dein Energiefeld von allem reinigen, das nicht zu dir gehört. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Je nach Tag, kann das schon einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Irgendwann spürst du, dass es sich schon leichter, oder auch “sauberer” anfühlt, dann ist Zeit für den nächsten Schritt.

3)  Nun kannst du dich beim Atmen eher auf das Einatmen konzentrieren. Auch wenn es etwas platt klingt: Als würde man sich vorstellen, dass man sich selbst wieder einatmet. Das heißt, bei jedem Atemzug der die Lungen füllt, stellst du dir vor, dass all das, was zu dir gehört, was du am Weg verloren hast, was deines ist – wieder zu dir zurückkehren kann. Es weiß genau, wo es andocken muss, du brauchst nur die Anweisung zu geben und dich darauf auszurichten, dass all das zu dir zurückkommt, was zu dir gehört.

4) Hat man das einige Minuten lang gemacht (am Anfang dauert es mitunter länger!) und kann sich nun gut spüren, kann man sich einen Anker-Satz ausdenken. Zum Beispiel: „Ich bin ganz bei mir“ „Ich bin im Hier und Jetzt“ oder was einem eben am besten gefällt. Wiederholt man den Satz nämlich bei dieser Übung jedes Mal am Ende, reicht es später nur an diesen Satz zu denken – und der Körper weiß sofort, was er zu tun hat.

Bei schweren Fällen…

Die Natur ist die beste Zentrierungskünstlerin – deshalb laden sich auch unsere Batterien am besten auf, wenn wir einen Waldspaziergang machen oder beispielsweise am Strand sind. A propos Strand – Salzwasser hat eine wunderbar reinigende Wirkung auf unser Energiefeld. Natürlich sind Badeurlaube die beste Lösung, doch nicht immer alltagstauglich. Da kann man dann auf Fuß- oder Vollbäder mit Naturkristallsalz ausweichen. Weitere Alternativen wären das Räuchern oder auch der Besuch einer Salzgrotte.
Und wenn man das Gefühl hat, dass man sein Feld partout nicht reinigen kann, weil es sich schrecklich anfühlt oder einfach nicht gelingt, kann man ja immer noch kinesiologisch austesten lassen, was der Körper da am meisten benötigt oder zu einem Energetiker eures Vertrauens gehen. Auf jeden Fall: nicht nur körperliche Hygiene ist wichtig, auch energetische Psycho-Hygiene.