Kinesiologie zur Allergie-Testung?

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Kann man über die Kinesiologie herausfinden, worauf man allergisch ist oder nicht?

Der Muskeltest ist ein ganz wunderbares Werkzeug, aber wie sieht es eigentlich mit der Testung von Allergien und Unverträglichkeiten aus?

 

Der Muskeltest: schwach / stark

Die kinesiologische Test-Methode beruht darauf, dass sich Stress im menschlichen Körper in einer Veränderung der Muskelspannung zeigt, ohne dass man dies bewusst lenken kann (so wie man nicht steuern kann, dass man rot wird, wenn einem etwas peinlich ist). So kann man auch überprüfen, was passiert, wenn man mit einem bestimmten Nahrungsmittel Kontakt hat – stresst es den Körper oder ist es ihm egal?

Eine erfahrene Kinesiogin / ein erfahrener Kinesiologe kann ziemlich genau austesten, welches Nahrungsmittel den Körper schwächt und welches ihn stärkt und welches mit dem Symptom zu tun hat und welches nicht. Es ist aber ein eher grober Test, der Nahrungsmittel in „das ist OK“ und „das ist nicht OK“ einstuft. Das alleine kann natürlich schon sehr hilfreich sein, ist aber kein Allergietest. Denn zwischen einer Unverträglichkeit und einer echten Allergie kann der kinesiologische Test nicht zuverlässig unterscheiden.

Theoretisch kann auch als „das ist nicht OK“ etwas testen, was biochemisch gar keine Probleme verursacht, aber man es einfach partout nicht mag, weil es einen bewusst oder unbewusst zum Beispiel an die böse Schwiegermutter oder an den Ex-Freund erinnert. Diese impliziten, unangenehmen Erfahrungen bringen dann das Nervensystem zu einer Überreaktion, das Nahrungsmittel testet „schwach“, aber von einer Allergie ist man trotzdem noch weit entfernt.

Ob es eher eine energetische Speicherung ist oder schon eine manifeste Intoleranz, die Frage ist in beiden Fällen: Was braucht der Körper, damit ein bestimmter Stoff wieder als harmlos und als OK eingestuft wird (aus welchem Grund auch immer er vorher Stress verursacht hat).

Kritik seitens der Schulmedizin – berechtigt?

Die Schulmedizin hält von dem kinesiologischen Muskeltest nicht besonders viel, denn es fehlen groß angelegte Studien und jene die es gibt, bescheinigen der Methode nicht mehr Aussagekraft als das Zufallsprinzip. Das Studiendesign ist aber teilweise so ausgelegt, dass wirklich nichts Nettes rauskommen kann, wie zum Beispiel eine in diesem Zusammenhang sehr oft zitierte Studie.

Dabei wurden 42 Probanden auf Insektengift-Allergien kinesiologisch getestet, doch die Trefferquote war nicht höher, als ob man Lose gezogen hätte.(1)

Liest man sich die Studie allerdings genauer durch, fällt sofort auf, dass es bei der Ausbildung der Personen, die den Muskeltest angewandt haben, ordentlich hapert. Zwar waren alle testenden Personen Ärzte, aber was die Qualität der kinesiologischen Ausbildung betrifft sieht es nicht mehr so gut aus.
Einer der Assistenzärzte hat eine kinesiologische Ausbildung durchlaufen (Health Kinesiology), obwohl man nicht erfährt, ob er sie auch abgeschlossen hat. Und dieser hat im Rahmen der Studie den anderen Assistenzarzt in die Test-Methodik eingewiesen. Zwei andere Tester gab es auch noch, die quasi zur „Qualitätskontrolle“ herangezogen wurden (ha, ha).

Dass eine Einschulung unter dem Motto „Ich zeig dir mal kurz wie das geht, isganzeinfach“ später zu keinen zuverlässigen Ergebnissen führen kann, ist bei jeglicher Art der Methode eigentlich klar. Auch wenn uns der beste Chirurg eine Bypass-Operation zeigt, heißt das noch lange nicht, dass man das dann einfach so wiederholen kann. Abgesehen davon, dass es sich bei Health Kinesiology um eine kinesiologische Methode von vielen handelt und die Ergebnisse nicht einfach so auf alle anderen Kinesiologie-Richtungen umgelegt werden können.

Im Endeffekt zeigt diese Studie nur, dass ungenügend geschulte und kaum erfahrene Tester auch keine zuverlässigen Ergebnisse liefern. Zu dieser doch sehr logischen Erkenntnis hätte man allerdings weitaus einfacher kommen können.

Kinesiologie ist eine wunderbare und sehr effektive Methode, aber auch die hat bestimmte Grenzen – eine Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit ist nicht möglich.
Groß angelegte Studien in dem Zusammenhang fehlen leider, wobei es durchaus auch Untersuchungen gibt, die die hohe Trefferquote des kinesiologischen Tests bei Allergien zeigen.(2) Ein Kinesiologe ist (zumindest meistens) keine Maschine, deshalb hängt nun mal sehr viel vom Tester ab. Aber wie gesagt, ein geschulter Kinesiologe kann sehr wohl einen geeigneten Fahrplan durch den Nahrungsmitteldschungel erstellen sowie die wichtigsten biochemischen Stress-Faktoren identifizieren. Vor allem können auch die Reaktionen des Körpers auf viele toxische Substanzen oder Zusatzstoffe getestet werden.

Dass von einer „kinesiologischen Allergie-Austestung“ gesprochen wird (und von einige Anbietern so angeworben wird), liegt teilweise an der umgangssprachlichen Verwendung des Begriffs „Allergie“, sollte aber kritisch betrachtet werden – bei aller Nützlichkeit des Muskeltests. Wenn aus medizinischen Gründen eine Abklärung notwendig ist, ob tatsächlich eine echte Allergie des Soforttyps vorliegt und man für den Notfall gerüstet sein muss, dann ist ein herkömmlicher IgE-Test oder einer über Mikrochip-Diagnostik vorzuziehen.

Die genaue Unterscheidung zwischen Allergie und Intoleranz muss aber auch nicht immer sein, denn eine entsprechende Darm-Kur und ein zeitweises Weglassen des als belastend getesteten Stoffes bringt schon Linderung. Wenn die Allergie beispielsweise nicht dermaßen ausgeprägt ist, dass ein anaphylaktischer Schock droht, ist den Betroffenen in vielen Fällen im Grunde egal, ob die Beschwerden einer Allergie oder Unverträglichkeit zugrunde liegen. Hauptsache das Wohlbefinden wird verbessert. In dem Fall kann die Kinesiologie ungemein helfen und den den Betroffenen zusätzlich immense Dienste im Rahmen der Stress-Bewältigung und der Aufarbeitung der eigenen Biographie erweisen.

Diese Faktoren für die Darmgesundheit von großer Bedeutung und je besser es uns generell geht, desto weniger hat unser Körper Anlass dazu, bei harmlosen Nahrungsmitteln mit einer Überreaktion aufzuwarten.

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Literatur

  1. Test-retest-reliability and validity of the kinesiology muscle test. Lüdtke R, Kunz B, Seeber N, Ring J. 3, 2001, Complementary Therapies in Medicine, Vol. 9.
  2. Schmitt WH Jr., Leisman G. Correlation of applied kinesiology muscle testing findings with serum immunoglobulin levels for food allergies The International Journal of Neuroscience, Dec. (3-4), 1998.