Amalgam – wie ist das nun?

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Die einen behaupten, Amalgam sei völlig ungefährlich und ja schon seit Jahren im Einsatz. Die anderen nennen eine Reihe von Symptomen, die aufgrund von Amalgamfüllungen und des enthaltenen Quecksilbers etc. entstehen können.

Von Schlaflosigkeit, Kopfweh, allergischen Reaktionen, Verdauungsbeschwerden bis hin zu neurologischen Problemen ist die Liste der Symptome die auf Amalgam-Plomben zurückgeführt werden recht lang. Sogar Depressionen und psychische Probleme werden damit in Verbindung gebracht.

 

Oft arbeiten Amalgam-Befürworter/Beschwichtiger ja mit dem Argument, dass einige Studien (und sogar die EU-Kommission!) die Gefährlichkeit von Amalgam ja entkräften. Ja, es gibt solche Studien! So schreiben die Autoren Göhring, Schicht und und Imfeld in Ihrem Artikel „Ist Amalgam eine Gefahr für die Gesundheit?“ (in „Therapeutische Umschau“, Februar 2008), dass von Amalgam keine Gesundheitsgefahr ausgeht und dass es bis heute kein Material gäbe, dass „Amalgam vollumfänglich ersetzen“ könne. Darin gibt es auch einen kleinen Seitenhieb auf die Kritiker, dass die Diskussion „nicht sehr sachlich“ geführt werde. Dr. Till Göhring ist aber nicht irgendein Praktikant, sondern hat schon sehr viele Publikationen und Buchbeiträge auf dem Kasten – da scheint das Gesagte schon in einem glaubwürdigen Licht,…oder…?

 

Und vor allem, wenn noch die EU-Kommission sagt: „Alles OK, tut euch ruhig Quecksilber in den Mund“. Na gut, so haben sie’s nicht geschrieben, aber so ähnlich. Denn das wissenschaftliche Kommitee dazu, nämlich SCENIHR (Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) publizierte dazu folgenden Report.

 

Wer sich das ganze nicht durchlesen möchte, dem sei hier gesagt, dass es sich dabei um ein Papier handelt, dass auf die Ungefährlichkeit von Amalgam hinweist.
Fast ebenso beschwichtigend sind jene Informationen, die man seitens der Industrie bekommt, z.B. von Colgate (ist zwar keine wissenschaftliche Koryphäe, aber man kann sich die Aussagen auf der Website wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen…).

…die andere Seite der Plombe – wenn man nämlich genauer schaut!

 

Aber wie das mit der EU und Aussagen von großen Firmen so ist: Der Teufel steckt im Detail. Einer der sich das mal genauer angeschaut hat, ist Dr. Joachim Mutter und der schreibt in seinem Artikel „Is dental amalgam safe for humans“ nicht gerade eine Lobeshymne auf die wissenschaftliche Arbeit der SCENIHR. Kurz und knapp: „SCENIHR disregarded the toxicology of mercury and did not include most important scientific studies in their review“. Ups.

 

Die von SCENIHR verwendeten Studien (oft aus Handelsmagazinen) messen das Quecksilber im ausgeschiedenen Urin, wo sogar die WHO schon längst festgestellt hat, dass das nur die ausgeschiedene Menge des Quecksilbers anzeigt und nicht, wie viel dann im Gewebe bleibt und folglich eventuell Schaden anrichtet.

Schritt für Schritt nimmt Dr. Mutter die Arbeit von SCENIHR auseinander, dass es fast schon peinlich ist. In diesem Ausmaß peinlich: „Kind, mir ist egal was für einen Beruf du ergreifst, aber arbeite bloß nicht bei der SCENIHR, das wäre eine Schande!“ 🙂

 

Die WHO hat bereits 2009 ein „phasing down“ der Amalgam-Nutzung als Zahn-Füllmaterial beschlossen – d.h. es sollte immer weniger verwendet werden, denn: „Amalgam has been associated with general health concerns“ (hier der Report). In Dänemark, Schweden und Norwegen ist dieses Material längst verboten, in der EU ist ein generelles Verbot aufgrund von Protesten einiger Mitgliedsstaaten nicht durchgegangen. Immerhin: Ab 2018 darf es nicht mehr bei Jugendlichen, Stillenden und Schwangeren eingesetzt werden.

 

Trotzdem gibt es noch immer Zahnärzte, welche Amalgam als völlig unbedenklich ansehen und behaupten, dass sich das darin enthaltene Quecksilber nicht aus den Plomben herauslösen kann. Dabei sind gerade jene Personen, die in Zahnarztpraxen arbeiten, besonders gefährdet und es wurde auch beobachtet, dass deren Gesundheitszustand aufgrund dieser toxischen Belastung häufig beeinträchtigt ist. Depressionen, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, Nierenschwäche und auch Allergien kommen in dieser Berufsgruppe viel öfter vor (und das ist nur die Spitze des Eisbergs). (1)

 

Amalgam und Quecksilber-Belastung im Gehirn

Ob in zahlreichen und wiederholten Tierversuchen mit Affen oder Schafen: Jene Tiere mit Amalgam-Plomben zeigten Quecksilber-Ablagerungen in Nieren, Leber, Schilddrüse, Nebennieren, Bauchspeicheldrüse, Eierstöcken und im Gehirn.
Beim Menschen haben die Untersuchungen einen etwas makabren Charakter, denn da hat man die Organe von Verstorbenen verglichen. Die Quecksilber-Konzentration in den Organen der Amalgam-Träger war deutlich erhöht (2), je mehr Amalgam-Plomben jemand zeitlebens hatte, desto stärker war auch das Gehirn belastet. (3)

 

Man muss nicht gleich mit Leichen hantieren, um die Auswirkungen zu zeigen. Es reicht, einem Menschen mit Amalgam-Plomben einfach eine Viertelstunde an einem Kaugummi kauen zu lassen. Die Konzentration von Quecksilberdampf im Atem ist danach um das 4- bis 17-fache erhöht! (4) Das wusste man übrigens schon 1979, aber wie das mit unangenehmen Forschungsergebnissen so ist, man hat sie ignoriert oder als halb so wild abgetan.

 

Dass das dem Gehirn rein gar nichts ausmacht, wie lange beschwichtigt wurde, ist aber in den letzten Jahren durch groß angelegte Beobachtungsstudien widerlegt worden. Amalgam-Träger erkranken nachgewiesenermaßen häufiger an Alzheimer und Parkinson. (5) (6)

 

Wenn man sich ansieht, woraus Amalgam-Füllungen bestehen, ist es fast schon verwunderlich, dass sie so viele Jahre lang als sicher eingestuft wurden. Denn Amalgam ist eine Mischung, die aus ungefähr 50% flüssigem Quecksilber besteht, der Rest ist ein Puder aus Kupfer, Silber, Zinn, Zink und Spuren anderer Schwermetalle. Dass das nicht unbedingt gesund sein kann, hätte man sich eigentlich schon bei der Erfindung denken können.

Auch wenn Paracelsus schon sagte „Die Dosis macht das Gift“ – Quecksilber ist deshalb ein so gefährliches Toxin, da es auch in geringsten Dosen den natürlichen Entgiftungsmechanismus der Zelle stört – statt zu entgiften, werden Gifte weiter aufgenommen. Dies passiert natürlich nicht von einem Tag auf den anderen, sondern schleichend. Und plötzlich sind die Beschwerden da, die sich aber in Wirklichkeit oft über Jahre bereits angesammelt hatten (nur hat es der Körper gerade noch geschafft, es selbst mit größtem Energieaufwand zu regulieren).

 

Jedenfalls halte ich persönlich es für eine schlaue Idee, die persönliche Gift-Skala eher im unteren Bereich zu halten oder durch ein gezieltes Entgiftungsprogramm zu verringern. Denn je besser es um unseren Darm bestellt ist, desto besser fühlen wir uns – physisch und psychisch.

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Dr. med. Joachim Mutter
Amalgam – Risiko für die Menschheit. Quecksilbervergiftungen richtig ausleiten.
fit fürs Leben Verlag, 2002Dr. Dietrich Klinghardt, Dr. Joseph Mercola
Mercury Toxicity and Systemic Elimination Agents
Journal of Nutritional & Environmental Medicine, 2001 (online gratis abrufbar)

Literatur

  1. A Review of Mercury Exposure and Health of Dental Personnel. Natasha Nagpal, Silvana S. Bettiol, Amy Isham, Ha Hoang and Leonard A. Crocombe. 1, 2017, Safety and Health at Work, Vol. 8.
  2. Correlation of dental amalgam with mercury in brain tissue. Eggleston DW, Nylander M. 6, 1987, The journal of prosthetic dentistry, Vol. 58.
  3. Mercury concentrations in the human brain and kidneys in relation to exposure from dental amalgam fillings. Nylander M, Friberg L, Lind B. 5, 1987, Swedish dental journal, Vol. 11.
  4. Chewing releases mercury from fillings. Gay DD, Cox RD, Reinhardt JW. 1, 1979, The Lancet, Vol. 5.
  5. Association between dental amalgam fillings and Alzheimer’s disease: a population-based cross-sectional study in Taiwan. Sun YH, Nfor ON, Huang JY, Liaw YP. 1, 2015, Alzheimer’s research & therapy, Vol. 7.
  6. Association between History of Dental Amalgam Fillings and Risk of Parkinson’s Disease: A Population-Based Retrospective Cohort Study in Taiwan. Hsu YC, Chang CW, Lee HL, Chuang CC, Chiu HC, Li WY, Horng JT, Fu E. 12, 2016, PLoS One., Vol. 11.
  7. Mercury exposure from „silver“ tooth fillings: emerging evidence questions a traditional dental paradigm. Lorscheider FL, Vimy MJ, Summers AO. 7, 1995, FASEB Journal, Vol. 9.